Donnerstag, 27. September 2007

Die ersten Tage in Washington

Jetzt bin ich schon fast eine Woche in Washington und hab schon so viel erlebt. Gleich zu Beginn habe ich mit meiner Mitbewohnerin die Einkaufszentren besichtigt und ich bin wirklich schwer beeindruckt! Man kann dort Tage verbringen, kein Wunder, dass sie dort auch Matratzen und Decken verkaufen! :) Es gibt hier ja wirklich alles in zig verschiedenen Ausführungen, das ist echt lustig! Einen Gang nur mit Rasierschaum mit unterschiedlichen Düften! Obwohl erst Ende September ist, sieht man schon überall Halloween-Artikel! Unglaublich! Kostüme, schwarze Raben, die singen, wenn man vorbei geht; Süßigkeiten etc.

Das Einkaufen ist wirklich ein Erlebnis. Nicht nur dass alles von der Kassiererin eingepackt wird, darauf hatte ich mich ja schon eingestellt, aber dass ich von ihr plötzlich gefragt werde: „How are you?!, das verwirrte mich schon. So etwas würde man in Deutschland nicht finden! Ich hab aber natürlich so getan, als ob ich das gewohnt sei (man will ja als Ausländer nicht unangenehm auffallen) und sie zurück gefragt, wie es ihr gehe. Zur Information: Natürlich geht es der Kassiererin und mir gut, was auch sonst! :) Mein Essen kaufe ich übrigens im Gebäude des Watergate-Hotels ein! Da sagt man immer, die Amis hätten keine Geschichte, ich war mitten drin. Was da so alles passiert ist, das ist Politgeschichte! Dann gibt es hier noch viele Vitaminläden und ich war erst ganz begeistert, weil ich dachte, dass das so etwas wie unsere Saftbar ist. Aber der ganze Laden war voll mit Vitamintabletten in hundert verschiedenen Ausführungen, in kleinen oder Kilo-Packungen! Das war echt unglaublich, so etwas habe ich noch nie gesehen! Wer kauft denn 2 Kilo Vitamintabletten? Sollen sie doch einfach mehr Obst essen, dann brauchen sie nicht so viele Pillen nehmen. Aber wer es mag...

Natürlich habe ich Washington auch schon ein bisschen erkundete: Ganz lange war ich beim Capitol! Auf dem Weg dahin bin ich an zahlreichen Regierungsgebäuden und Denkmälern vorbeigekommen, das ist eine richtig lange, aber schöne Straße! Als ich am Sitz des Kongresses angekommen bin, war ich überwältigt und genoss den Anblick in vollen Zügen. Wenn man das Gebäude sonst nur im Fernsehen sieht und dann plötzlich davor steht, ist das überwältigend! Ich setzte mich auf die Mauer im Schatten vor den Kongress, betrachtete die Menschen und genoss das schöne Wetter. Ich hätte dort ewig bleiben können! Dann bin ich zum Washington Monument und dort war viel los, weil die Oper „La Boheme“ auf einer Public Viewing Leinwand umsonst übertragen wurde. Auf den Wegen habe ich so viele Eichhörnchen gesehen, das ist echt seltsam... Die vermehren sich hier scheinbar besonders gut oder sind für die Touristen ausgesetzt worden.. :) Außerdem zeigen die Fußgängerampeln hier an, wie lange noch grün ist, das ist bei den großen Straßen auch echt notwendig! Auffallend ist auch, dass jeder Bürgersteig an einer Stelle eine Einbuchtung hat, so dass auch Rollstuhlfahrer die Straße ohne Probleme überqueren können. Das ist ja bei uns noch nicht so verbreitet. Wahrscheinlich hat hier mal einer geklagt und dafür Millionen Dollar bekommen! :)


Ich habe auch schon Kontakt mit der amerikanischen Polizei gehabt! Und das nach zwei Tagen! Das ist eine Leistung. :) Aber ich hatte ja nichts verbrochen... Als ich in unser Haus wollte, ging blöderweise der Pieper nicht, mit dem man die Tür öffnen kann. Also wartete ich, dass jemand rein- oder rausgeht. Plötzlich hörte ich Sirenen und zwei Polizeiwagen rasten in die Straße rein und hielten weiter oben. Oh spannend, wie im Film, dachte ich zuerst! Doch dann kamen zwei Police Officer auf mich zu und ich dachte für einen kurzen Moment, dass ich ohne es zu wissen gegen irgendein Gesetz verstoßen hatte... Vielleicht die Visaauflagen verletzt? Nein Quatsch! :) Auf jeden Fall wollten sie in unser Haus! Und sie waren auch so bewaffnet wie die im Fernsehen. Sie fragten mich, ob ich ihnen öffnen könnte, aber leider ging das ja nicht! Da hätte ich meinen Teil zur Sicherheit im Viertel beitragen können, aber ich konnte nicht! Na toll, Chance verpasst! Aber kurz danach kam ein Mädchen raus und wir drei konnten rein. Die Polizei ist hier echt sehr präsent, man hört ständig Sirenen und auch heute waren zwei Polizeiwagen vor dem Kubazentrum. Einerseits ist das a beruhigend, dass sie so schnell da sind, aber es passiert scheinbar ständig etwas. Auf dem Unicampus gibt es auch eine eigene Polizei, die ist gleich bei mir um die Ecke. Ich bin also sicher hier. :)



Montag, 24. September 2007

21. September 2007: Abreise und Aufbruch in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Nachdem ich die ganze Nacht wegen dem Packen und den Vorbereitungen nicht geschlafen hatte, bin ich mit etwas Übergepäck (wie bei mir zu erwarten war :)) mit meinen Eltern am Freitag, 21. September zum Flughafen Frankfurt am Main aufgebrochen.

Nachdem wir uns verabschiedeten hatten, ging der ganze Spaß los: Erst wurde mein Gepäck durchleutet, ich musste den Laptop in einen extra Behälter tun und wurde von einer Frau abgetastet, weil ich natürlich gepiept habe! Wie hätte es auch anders sein können! Eine Kontrolle jagte die andere, erst der Pass, dann das Ticket, dann wieder das Gepäck (keine Ahnung warum, trauen die den anderen nicht oder haben die noch einmal andere technische Geräte oder einfach eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme? So reduziert man die Arbeitslosenzahlen auch! :) ). Dabei wurde ich auch zur Seite gewunken und musste meinen Laptop öffnen und er wurde „saubergemacht“ (so hatte mir der nette Herr erklärt und das ganz umsonst, was für ein Service!) - also mit einem Papier nach Bombenrückständen untersucht! Als ob ich so kriminell aussehe! So was, aber gut, ich hab ja nichts zu verbergen. Die Leute waren auch echt nett, aber das ständige Laptop raus und rein nervte schon. Danach musste ich dann nur noch meine Boardingkarte zeigen und schon war ich am richtigen Gate! Da saßen so einige Leute rum, aber hauptsächlich ältere Leute. Ein Rentnerflug quasi und die meisten schienen Amis zu sein. Doch schon bald ging es ins Flugzeug. Doch an Schlafen war nicht zu denken, denn das Personal der United Airlines war sehr aufmerksam. Erst brachten sie jedem eine kleine Tüte Brezeln, dann ein Tuch für die Hände, danach etwas zu trinken. Es wurden natürlich die Notfallmaßnahmen erklärt. Man muss aber sagen, dass die Personalabteilung von UA sehr gute Leute auswählt, denn jeder der Männer (es waren fast nur Flugbegleiter) sah super aus und hätte in einer amerikanischen Serie als Arzt oder Anwalt mitspielen können! :) Beim Rausgehen sah ich am Handgepäck einiger Rentner, dass diese aus Florida gekommen sind. Also ist es tatsächlich so, dass die amerikanischen Rentner bevorzugt in Florida leben (wie die deutschen Rentner auf Mallorca, das ja mittlerweile quasi ein deutscher Bundesstaat ist)! Ich machte also bahnbrechende Entdeckungen! :) Danach kam ich zur gefürchteten Pass- und Visumskontrolle am Flughafen Dulles. Der Beamte war sachlich, aber nett und fragte mich (wie erwartet), was ich in Washington mache. Ich erklärte ihm das und er fragte etwas provozierend: „Center for a Free Cuba – Cuba is free, isn´t it?“ Ich wusste nicht recht was für eine Antwort er erwartete und versuchte die Frage daher geschickt mit einer Gegenfrage zu umschiffen: „Is it really?“ Er ging dann nicht weiter darauf ein, fragte mich dann noch, was ich in Deutschland mache und warum ich das Praktikum machen möchte und nahm das I-94 an sich. War also nicht so schlimm wie erwartet. Ach ja und Fingerabdrücke wurden mir wieder genommen, wie schon beim Konsulat. Welchen Zweck das hat? Ob sie dadurch überprüfen wollen, ob die mit denen vom Konsulat übereinstimmen und ich wirklich ich bin? Keine Ahnung, lass ich die Amis halt mal machen. Nachdem ich mein Gepäck hatte (das als eines der letzten kam) und die Zollerklärung abgegeben hatte, war ich richtig in Amerika!!!!


Danach fuhr mich ein Inder nach Washington, willkommen im Einwanderungsland USA! Er war sehr nett und unterhielt sich mit mir die 30 Minuten, die es dauerte bis wir vom Flughafen Dulles (in Virgina) nach Washington D.C. gekommen sind. Er fragte mich nach Deutschland („The two countries are together, aren´t they?“) und erzählte mir, dass der 11. September 2001 die Welt verändert hat, etc. War zwar nicht sehr aufschlussreich, aber sehr nett. Als das Taxi auf den Uni-Campus eingebogen ist, war ich sehr erfreut, dass die Gegend so schön ist. Hier sind sehr schöne rote Backsteinhäuser und viele Bäume. Allerdings ist das Haus, in dem ich wohne nicht so schön, aber ok. Der Taxifahrer war so nett und hat mir die Koffer hochgetragen zum Apartment. :) Ich wohne dort mit einem Mediengestalter aus dem ehemaligen Jugoslawien und teile mir das Zimmer mit Tracy, die aus Kanada ist und bei Amnesty ein Praktikum macht. Alle beide sind sehr nett!