Donnerstag, 11. Oktober 2007

Mein Trip nach Philadelphia


Am letzten Wochenende habe ich eine Familie in einem Vorort von Philadelphia besucht, bei der ich nach dem Abi beinahe Au Pair gemacht hätte, mit denen ich aber seitdem in Kontakt bin und die mich zu sich nach Hause eingeladen haben. Daher musste ich doch tatsächlich schon um 6 Uhr aufstehen! Noch früher als wenn ich arbeite und das an einem Samstag! Aber was macht man nicht alles! Leider konnte ich Freitag noch nicht fahren, weil ich bis um 18 Uhr im Kubazentrum war und der billige Chinatownbus Freitagabend nicht fährt. Warum auch immer... Und der Zug (Amtrak) ist in den USA echt nicht zu bezahlen: Während ich mit dem Chinabus 28 Dollar hin und zurück gezahlt habe, wären das mit der Bahn 140 Dollar gewesen! Unglaublich! Die Busfahrt ist allerdings etwas konfus da, weil die Chinesen dort wirklich fast kein Englisch sprechen oder verstehen und man aufpassen muss, dass man nicht im falschen Bus (nach New York) sitzt! Der Bus war auch voll und nach drei Stunden war ich in Philadelphia. Ich bin gleich neben der Bahnstation angekommen und hab mich auch ganz gut zurecht gefunden. Der Zug war schon anders als in Deutschland: Die Bänke sind viel länger, nicht aus Stoff, sondern abwaschbar und die Türen schließen automatisch, wenn der Zug in Bewegung ist (nicht die außen, sondern die vom Abteil zum Gang). Erst der Schaffner öffnet sie, wenn der Zug hält. Außerdem klemmt man seine Fahrkarte an den Vordersitz, da ist so eine Vorrichtung. Der Schaffner nimmt sie dann, stempelt bzw. locht sie und klemmt sie wieder rein oder nimmt sie mit. Ist nicht schlecht, wenn man mal eingeschlafen ist. :) Die Gegend, in der die Familie wohnt, ist echt klasse! Im Garten ist ein großer Pool und Sie haben zwei Zimmer, die sie nur für besondere Anlässe nutzen! Das habe ich noch nie gesehen und finde es auch unnötig und ein bisschen albern. Es ist ein festliches Esszimmer und ein nobles Wohnzimmer mit edlen Möbeln und Teppichen. Dort werden Gäste empfangen und es wird zu besonderen Anlässen gegessen. Ansonsten werden die Räume, so wie ich es verstanden habe, nicht genutzt! Voller Stolz hat er mir alle deutschen Geräte gezeigt (sie haben Miele Wasch- und Spülmaschinen, etc.). Ist halt gute Qualität! :) Außerdem mögen sie unheimlich gern deutsche Schokolade, besonders von Kinder! Wie ich! :) Wir haben uns gut unterhalten, ich habe ihnen Fotos von meiner Familie und meinen Freundinnen und von Würzburg und Bamberg gezeigt. Sie waren begeistert. Dann sind wir alle zusammen zur zweitgrößten Mall der US-Ostküste gefahren. Das ist echt unglaublich, solche Dimensionen kennen wir Europäer gar nicht! Es hätte mich nicht gewundert, wenn es dort ein Hotel gegeben hätte, denn man kann dort wirklich Tage verbringen! Die tollsten Geschäfte und Marken, die man sich nur vorstellen kann! Um von dem Ost- in den Westteil der Mall zu kommen, sind wir Auto gefahren! So groß ist das! Da muss ich irgendwann nochmal hin! :) Nach ca. 2 Stunden sind wir dann zu ihrem Stammchinesen gefahren, wo sie einen Tisch reserviert hatten. Sie bestellten ein paar verschiedene Gerichte (Lamm, Huhn, Reis, Nudeln, etc.), wir teilten uns alles und sie haben mich eingeladen (der Vater hatte an dem Tag Geburtstag!). Das hat so lecker geschmeckt! Dazu haben wir einen echt guten australischen Rotwein getrunken und anschließend noch Desserts bestellt (Tiramisu, Schokotorte, Litschis) und die auch wieder geteilt.

Am Sonntag habe ich mir dann Philadelphia angeschaut (da die Tante der Mutter im Krankenhaus liegt, hatten sie leider keine Zeit, mir selber alles zu zeigen, haben mich aber wieder zu sich eingeladen und dann holen wir das nach!). Nun befand ich mich also in der fünftgrößten Stadt der USA, die auch als „Wiege der Nation“ bezeichnet wird, weil dort 1776 die Unabhängigkeitserklärung ausgearbeitet und verkündet wurde! Außerdem war es eine gewisse Zeit die Hauptstadt der USA! Ich ging zuerst zum Visitorcenter und deckte mich mit Informationen und Souvenirs ein. Leider waren alle Tickets für die Independence Hall (wo die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung unterzeichnet wurden) schon ausverkauft. Aber es gab ja noch so viel zu sehen! Also ging ich zum National Constitution Center, dem einzigen Museum der USA, das sich ausschließlich deren Verfassung widmet.
Zu Beginn gab es eine Art Multimediashow, bei der alle Besucher auf Tribünen im Kreis saßen und in der Mitte durch Bilder und einen Sprecher (mit dramatischer Tonlage) die Ereignisse vor der Unabhängigkeitserklärung dargestellt wurden. Nach etwa einer halben Stunde waren die USA und auch die Besucher unabhängig und konnten die Ausstellung selbständig erkunden. Denn wir hatten gerade gelernt auf was es letztendlich ankommt: „We the people“ sind das Herz der USA! :) Die Ausstellung erklärt chronologisch sämtliche geschichtliche Ereignisse der US-Geschichte und natürlich im Kern die Verfassung der USA. Es war wirklich sehr informativ und gut gemacht: Schautafeln, Ausstellungsstücke, Tonbandaufnahmen und interaktive Elemente. Beispielsweise konnte man die Vereidigung des US-Präsidenten nachstellen (und wurde dabei fotografiert, was für alle anwesenden Schulklassen eine mords Gaudi war, wie man in Bayern so schön sagt :))! Typisch Amis! Zwar war es (wie zu erwarten war) über und über patriotisch aufgearbeitet und der Nationalstolz war nicht zu übersehen, aber etwas hat mich doch erstaunt: Als vom Zweiten Weltkrieg die Rede war, gab man zu, dass auch die Amis nicht unfehlbar sind und schwarze Soldaten in separaten Einheiten dienen mussten und Menschen mit japanischen Vorfahren in Internierungslager gesteckt wurden! Das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, das hat mich positiv überrascht. Denn normalerweise erwartet man nicht, dass die Amis ein solches Eingeständnis in einem Museum machen, das vor Patriotismus nur so überquillt! Danach hab ich mir noch die Ausstellung über die First Ladies der USA angeschaut und die verschiedenen Kleider bestaunt. Besonders lustig war eine Schauspielerin, die das Zimmermädchen der Kennedys spielte und aus dem Nähkästchen plauderte. Im Anschluss ging ich zur Liberty Bell, die als nationales Symbol für Freiheit gesehen wird.

Die Glocke läutete 1776 die Unabhängigkeit ein und hat einen Sprung, der daran erinnert, dass Freiheit unvollendet ist. Bevor man die Glocke sehen kann (sie ist übrigens nicht so groß wie ich gedacht habe), muss man aber durch Sicherheitskontrollen. Diese dauerten bei mir natürlich etwas länger, da ich meinen Rucksack mit den ganzen Klamotten fürs Wochenende dabei hatte. Doch es wurde nicht etwa durchleuchtet, sondern ALLES mit der Hand raus getan (so dass es jeder sehen konnte) und angeschaut. Die Männer waren aber sehr nett und - keine Ahnung warum – dachten, dass ich aus Frankreich stamme! Auf jeden Fall waren sie davon sehr begeistert, weil der eine etwas Französisch konnte und mir daher begeistert „Au revoir“ hinterher rief... :)
Das Wochenende war wirklich sehr schön, ich habe mich in der Familie gleich sehr wohl und willkommen gefühlt und mich nicht nur mit den Eltern (die echt so lieb sind), sondern auch mit der 16-jährigen Tochter und dem 13-jährigen Sohn sofort gut verstanden!