Am Sonntag habe ich mir dann Philadelphia angeschaut (da die Tante der Mutter im Krankenhaus liegt, hatten sie leider keine Zeit, mir selber alles zu zeigen, haben mich aber wieder zu sich eingeladen und dann holen wir das nach!). Nun befand ich mich also in der fünftgrößten Stadt der USA, die auch als „Wiege der Nation“ bezeichnet wird, weil dort 1776 die Unabhängigkeitserklärung ausgearbeitet und verkündet wurde! Außerdem war es eine gewisse Zeit die Hauptstadt der USA! Ich ging zuerst zum Visitorcenter und deckte mich mit Informationen und Souvenirs ein. Leider waren alle Tickets für die Independence Hall (wo die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung unterzeichnet wurden) schon ausverkauft. Aber es gab ja noch so viel zu sehen! Also ging ich zum National Constitution Center, dem einzigen Museum der USA, das sich ausschließlich deren Verfassung widmet.
Zu Beginn gab es eine Art Multimediashow, bei der alle Besucher auf Tribünen im Kreis saßen und in der Mitte durch Bilder und einen Sprecher (mit dramatischer Tonlage) die Ereignisse vor der Unabhängigkeitserklärung dargestellt wurden. Nach etwa einer halben Stunde waren die USA und auch die Besucher unabhängig und konnten die Ausstellung selbständig erkunden. Denn wir hatten gerade gelernt auf was es letztendlich ankommt: „We the people“ sind das Herz der USA! :) Die Ausstellung erklärt chronologisch sämtliche geschichtliche Ereignisse der US-Geschichte und natürlich im Kern die Verfassung der USA. Es war wirklich sehr informativ und gut gemacht: Schautafeln, Ausstellungsstücke, Tonbandaufnahmen und interaktive Elemente. Beispielsweise konnte man die Vereidigung des US-Präsidenten nachstellen (und wurde dabei fotografiert, was für alle anwesenden Schulklassen eine mords Gaudi war, wie man in Bayern so schön sagt :))! Typisch Amis! Zwar war es (wie zu erwarten war) über und über patriotisch aufgearbeitet und der Nationalstolz war nicht zu übersehen, aber etwas hat mich doch erstaunt: Als vom Zweiten Weltkrieg die Rede war, gab man zu, dass auch die Amis nicht unfehlbar sind und schwarze Soldaten in separaten Einheiten dienen mussten und Menschen mit japanischen Vorfahren in Internierungslager gesteckt wurden! Das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, das hat mich positiv überrascht. Denn normalerweise erwartet man nicht, dass die Amis ein solches Eingeständnis in einem Museum machen, das vor Patriotismus nur so überquillt! Danach hab ich mir noch die Ausstellung über die First Ladies der USA angeschaut und die verschiedenen Kleider bestaunt. Besonders lustig war eine Schauspielerin, die das Zimmermädchen der Kennedys spielte und aus dem Nähkästchen plauderte. Im Anschluss ging ich zur Liberty Bell, die als nationales Symbol für Freiheit gesehen wird.
Die Glocke läutete 1776 die Unabhängigkeit ein und hat einen Sprung, der daran erinnert, dass Freiheit unvollendet ist. Bevor man die Glocke sehen kann (sie ist übrigens nicht so groß wie ich gedacht habe), muss man aber durch Sicherheitskontrollen. Diese dauerten bei mir natürlich etwas länger, da ich meinen Rucksack mit den ganzen Klamotten fürs Wochenende dabei hatte. Doch es wurde nicht etwa durchleuchtet, sondern ALLES mit der Hand raus getan (so dass es jeder sehen konnte) und angeschaut. Die Männer waren aber sehr nett und - keine Ahnung warum – dachten, dass ich aus Frankreich stamme! Auf jeden Fall waren sie davon sehr begeistert, weil der eine etwas Französisch konnte und mir daher begeistert „Au revoir“ hinterher rief... :)
Das Wochenende war wirklich sehr schön, ich habe mich in der Familie gleich sehr wohl und willkommen gefühlt und mich nicht nur mit den Eltern (die echt so lieb sind), sondern auch mit der 16-jährigen Tochter und dem 13-jährigen Sohn sofort gut verstanden!
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