Dienstag, 27. November 2007

Halloween in Washington D.C.


Jetzt habe ich schon so lange nichts mehr in meinen Blog geschrieben. Das heißt aber nicht, dass ich nichts zu Schreiben hatte, im Gegenteil, es ist in den letzten Wochen so viel passiert und ich hab so viel erlebt, dass ich gar nicht dazu gekommen bin, den Blog zu aktualisieren. Jetzt wird es aber endlich mal wieder Zeit, denn sonst komme ich gar nicht mehr nach. :) Als nächstes möchte ich Euch von meinen Halloween-Erlebnissen berichten:

Da das Wochenende vor Halloween traditionell das Wochenende ist, an dem die meisten Partys steigen, musste ich mich natürlich auch auf einer blicken lassen.. :) Allerdings war das nicht geplant, sondern eher eine spontane Aktion, da die Claudia (die mexikanische Mitbewohnerin meines kubanischen Kollegen Aimel) zur Party eines Freundes, der bei der Inter-American Development Bank arbeitet, eingeladen war und den Aimel und mich gefragt hatte, ob wir mitkommen möchten. Das Haus, in dem die Party stattfand, war echt toll und die sechs Leute, die es sich teilen, haben es echt schön dort! Als wir so gegen halb 12 angekommen sind, war noch nicht viel los. Aber das war auch nicht schlimm, denn so konnten wir uns erst einmal in Ruhe umschauen. Das untere Stockwerk des Hauses war der Partyraum und war überall mit Halloweensachen (Spinnennetze, Skelette, etc.) geschmückt. Die hatten sich wirklich viel Mühe gegeben! Ich war begeistert! Schade nur, dass ich kein Kostüm hatte, aber wir hatten uns ja auch erst eine Stunde davor entschieden, das wir da hingehen, so dass ich mir gar nichts mehr kaufen konnte und zum Verkleiden hatte ich auch nichts Wirkliches da. Also entschied ich mich als deutsches Mädchen zu gehen, das zu spät erfahren hatte, dass es auf eine Halloweenparty geht. :) Claudia war auch normal angezogen, sie hatte nur eine Maske mit den Augen von George Washington und Aimel hatte versucht, sich als Kellner zu verkleiden (allerdings wurde er an dem Abend gefragt, ob er als Mormone gehen würde, was aufgrund des weißen Hemdes auch nicht so abwegig war, es hätte nur noch das Namensschild gefehlt :)). Wir haben uns dann erst einmal den Gastgebern vorgestellt (der eine war Österreicher) und dann das Buffet entdeckt. :) Das war wirklich schön gemacht und sehr lecker. Ein Bekannter, Vater oder Verwandter von einem, der da wohnt, hat als Dracula Sangria ausgeschenkt und ein kleines Mädchen ist ganz aufgeregt durch die Menge gegangen und hat jeden gefragt, als was er sich verkleidet hat. War sehr lustig. Es füllte sich auch schnell und als mal ein paar Leute auf der Tanzfläche waren, ging plötzlich auch die Post ab. Denn die meisten Leute dort waren Lateinamerikaner und die wissen wie man feiert! Es wurde fast nur spanische Musik gespielt und da ging es ab! Alle (besonders auch die Jungs) haben getanzt, sind in die Luft gesprungen und haben ne Polonaise durch den Raum gemacht. Das war sehr lustig! Waren echt lustige Leute dort!


Am Dienstag dem 30. Oktober, dem Tag vor Halloween, waren wir dann bei dem berühmten Drag Queen Rennen. Als ich zur 17. Straße gelaufen bin, in der ich mit der Claudia und ihren Arbeitskollegen verabredet war, hörte ich dann plötzlich ganz viele Sirenen, aber das ist hier ja nicht ungewöhnlich. Als ich dann aber mindestens 10 Polizeiautos an mir hab vorbeisausen sehen, dachte ich schon, dass da etwas wirklich Schlimmes passiert sein muss. Schließlich bin ich in die Straße eingebogen, in der alle Autos standen und was war? Ein Polizeimotorradfahrer war von einem Auto angefahren worden! Das war zwar schlimm, aber mussten dafür mindestens 10 Polizeiautos dort sein? Das war schon etwas übertrieben... Dann kam ein Feuerwehrwagen, aber es war noch kein Krankenwagen da! Die Amis sind schon komisch! Als ich dann die Straße weiter hoch gelaufen bin, kam nach einiger Zeit dann erst der Krankenwagen... Das versteh mal einer... Nach einiger Zeit bin ich wieder in eine Straßensperre gekommen und war total verwundert, denn es standen hunderte Menschen am Rand der Straße und ich dachte wieder erst, dass etwas passiert war und alle Leute evakuiert worden sind! Mann schaut einfach zu viele Katastrophenfilme bzw. die Nachrichten... Dann erst dämmerte es mir, dass die Leute alle wegen dem Drag Queen Race da waren! Rechts und links der Straße war auch eine Kneipe nach der anderen und überall standen Leute mit Bierflaschen draußen und quatschten. Wie ich in diesem Chaos die Claudia finden sollte, war mir zu dem Zeitpunkt auch ein Rätsel. Ich suchte die Kneipe, in der Claudia sich mit ihren Arbeitskollegen verabredet hatte, fand sie aber dort wegen der Menschenmasse nicht. Doch dank der modernen Technik klappte es dann doch. Wir suchten uns dann auch schon bald einen guten Platz am Straßenrand, der sich schon eine ganze Zeit lang gefüllt hatte. Das Drag Queen Rennen ist Tradition in Washington D.C. und findet immer am Dienstag vor Halloween statt. Das eigentliche Rennen beginnt immer erst um 21 Uhr, doch schon um 19 Uhr laufen die Drag Queens wie auf einem Laufsteg die Straße auf und ab und präsentieren der johlenden Menge stolz ihre Kostüme. Das war so lustig! Zusammen mit Claudia, ihrer spanischen Freundin Monica und deren brasilianischer Freundin schaute ich mir begeistert das Spektakel an. Viele hatten sich richtig viel Mühe mit ihren Kostümen gegeben und einige konnten besser in den High Heels laufen als ich es jemals könnte! :) Bei manchen war man sich gar nicht sicher, ob derjenige überhaupt verkleidet ist, denn sie sahen nicht nur aus wie eine Frau, sondern bewegten sich auch so feminin! Viele Kostüme waren aber auch nur witzig, z.B. waren einige Männer auf Rollerblades mit aufgeblasenen Kostümen unterwegs, andere waren als Spice Girls verkleidet, als Marylin Monroe oder als Cheerleader! Doch nicht alle waren wirklich Transvestiten oder schwul, einige machten auch nur so zum Spaß mit und ihre Freundin stand an der Seite! Da war was los! Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus und jubelten ständig: „Beautiful!“ :) Wir hatten einen Spaß! Weil so viele so toll verkleidet waren, wussten wir gar nicht, ob der Mann, der mit Bodyguards bewacht an uns vorbei gegangen ist, wirklich der Bürgermeister von Washington war oder auch nur wieder ein Gag. Denn wir haben auch Condolezza Rice, John F. Kennedy und einen Senator auf und ab laufen sehen! :) Wenn er es aber wirklich war, habe ich dem Bürgermeister von D.C. die Hand geschüttelt! :) Wir hatten schon so viele Fotos gemacht bis das eigentliche Rennen überhaupt begonnen hatte. Das Rennen an sich war auch nicht so spektakulär und schnell vorüber. Das war wirklich ein einmaliges, lustiges Erlebnis! So was hab ich vorher noch nie gesehen und ich bin froh, dass ich nicht erst zum eigentlichen Rennen gekommen bin!

An Halloween selbst hab ich gar nicht so viel gemacht, weil ich ja bis abends arbeiten musste. Ich bin nach der Arbeit nur mal nach Georgetown gelaufen, weil man mir gesagt hatte, dass dort die Hölle los ist und ich mir das mal anschauen wollte. Auf dem Weg nach Georgetown waren so viele Menschen verkleidet, aber auch nicht alle. Also war ich nicht die Einzige, die nur Zuschauen wollte, was da so abgeht. :) Auf den Gehsteigen entlang der Hauptstraße war auch wirklich die Hölle los, die Menschenmassen schoben sich Millimeter für Millimeter voran und das war echt nicht mehr schön. Zu den Straßen hin waren Absperrgitter und die Polizei regelte die Fußgängerüberquerung der Hauptstraße an den Ampeln und Zebrastreifen, so dass keiner überfahren wurde. Weil viele Menschen erwartungsvoll an der Seite standen und auf die Straße starrten, erwartete ich, dass da vielleicht bald eine Halloweenparade stattfinden würde. Also stellte ich mich auch dazu. Als aber nach einiger Zeit nichts passierte, fragte ich umstehende Leute, aber keiner wusste, was und ob etwas zu erwarten war. Das hatte ich mir spannender vorgestellt.. Es war nichts Besonderes. In den Kneipen war mords etwas los, aber sonst sind die Leute nur auf und ab gelaufen. Sonst war da nichts. Ich machte mich also wieder auf den Heimweg, denn ich war ziemlich kaputt. Da hörte ich dann auch wie eine Frau einen Polizisten fragte, ob es eine Parade gebe und der antwortete, dass dies nicht der Fall sei, dass die Menschen jedes Jahr am Straßenrand stehen und er auch nicht wisse warum! Wahrscheinlich fängt einer damit an und alle anderen stellen sich dazu, weil sie denken, dass die anderen schon wissen müssen, was passieren wird. :) Der Tag selbst war nicht so spektakulär, aber das Eigentliche passierte ja auch schon Wochen bzw. Tage davor: die Süßigkeiten, die Deko, das Drag Queen Rennen und die Partys am Wochenende davor! Und das habe ich ja alles mitbekommen! :)